Missbrauch und kein Ende. Immer neue Fälle, und jeder neue Fall sorgt offenbar dafür, dass sich weitere Opfer melden und die Mauer des Schweigens durchlässiger wird. Erst jetzt, nach Jahrzehnten, wagen sich viele Opfer an die Öffentlichkeit und berichten über ihre traumatischen Erlebnisse. Wie die Verantwortlichen damit jetzt umgehen, sei es in privaten oder kirchlichen Einrichtungen, sei es in der Politik, ist alles andere als ein Ruhmesblatt. Zwar hat der Papst seinen Kurienkardinal vorgeschickt, um die Übergriffe zu geißeln. Doch er selbst hält sich bislang weiter zurück.
Und auch die Politik glänzt nicht gerade mit besonderem Ideenreichtum, wie man die Aufklärung, Ursachenforschung und Prävention wirksam voranbringen kann. Im Gegenteil: Union und FDP arbeiten auch hier mehr gegeneinander als miteinander. Dass Familienministerin und Bildungsministerin, beide mit CDU-Parteibuch, die Betroffenen zum Runden Tisch einladen, den zuvor die liberale Bundesjustizministerin gefordert hatte, und ihre FDP-Kollegin davon vorher nicht einmal unterrichten, ist ein unfreundlicher Akt. Dass sie die Aufklärung anders als Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht in den Vordergrund der Arbeit des Gremiums stellen wollen, sondern Prävention, ist skandalös. Natürlich sind die Taten häufig verjährt, die Verletzungen der Seelen der Opfer sind jedoch gegenwärtig.
Allein die Diskussion über die Länge von Verjährungsfristen und ein unverbindlicher Runder Tisch helfen nicht weiter. Bleibt es bei der zögerlichen bis ablehnenden Haltung in Sachen Aufklärung, wäre es Zeit für die Einsetzung einer staatlichen Kommission wie in Irland, die Licht ins Dunkel bringen könnte.
